Fachbegriffe leicht gemacht:

Workaround

Und schon wieder sollte man sich eigentlich über englische Begriffe ärgern, wo es doch im deutschen Sprachraum auch genug Worte gibt! (Siehe das Ende meines Beitrags!)

Allgemein kann man folgendes zu diesem Begriff sagen:
Ein Workaround (= `um etwas herum arbeiten`) ist ein Umweg zur Vermeidung eines bekannten Fehlverhaltens eines technischen Systems.

Incident Management

Das Incident-Management ist ein Beispiel für Workarounds. Ziel dieses Prozesses ist die schnellstmögliche Wiederherstellung der Service-Leistung - auch mit Workarounds. Ergebnis dieser Analyse ist entweder ein `Known Error` (also die Meldung, dass die Ursache für eine Störung nun bekannt ist) oder eine Umgehungs-Lösung (Workaround) für die Störung.

`Management` kennt man als Begriff. Es ist die Behandlung und Lösung von Aufgaben. `Incident` ist ein eher unbekannter lateinischer Begriff, den man frei übersetzen kann mit `Dem Problem anhaftend, mit dem Problem gekoppelt, damit einher gehend`.

Aber es bleibt manchmal nicht bei einer Umgehungslösung, sondern es wird noch toller: Man setzt sogar einen so genannten `Hack` ein, um ein Problem erst einmal schnell zu lösen! Ein Hack kann auch als eine Art Workaround bezeichnet werden, um ein Programm unter veränderten Bedingungen schnell wieder lauffähig zu machen. Man baut also bewusst einen Hack, also einen Fehler, ins Programm ein, damit durch den nun eingebauten Fehler der eigentliche Fehler, den man ja bekämpfen will, aufgehoben wird oder nicht mehr auftritt.

Man denkt hier unwillkürlich an die Mathematik. Wenn man nämlich Minus mal Minus rechnet, ergibt dies ja auch Plus!

Und was sagen uns nun die vier verschiedenen englischen Begriffe im Klartext?

Da bringt ein Software-Haus ein neues Programm auf den Markt, und es wird gleich von zehntausenden Nutzern heruntergeladen und installiert. Aber dann fällt jetzt erst auf, dass im Programm ein Fehler steckt, der von den Nutzern an den Software-Anbieter zurück gemeldet wird.

Dieser versucht nun, den Fehler möglichst effektiv und schnell zu beheben. Nachdem er den Fehler dingfest gemacht hat, könnte er ja nun eigentlich das korrigierte Programm neu zum Download anbieten. Das macht man aber nicht, weil es für den PC-Anwender doch sehr lästig wäre, das fehlerhafte Programm zu deinstallieren und das korrigierte fehlerlose Programm neu zu installieren. Aber ganz abgesehen davon hätte auch der Anbieter der Software viel Aufwand, denn er müsste auch neue arg umfangreiche Setup-Programme erstellen. Also geht man in der Praxis einen anderen schlanken Weg.

Wir wissen ja, dass jedes Programm aus dutzenden einzelnen Dateien besteht. Ein Fehler in einem Programm befindet sich aber nur in einer dieser 30 oder 50 oder 200 Programmdateien. Also wird nur die fehlerhafte Datei ausgetauscht, und das ganze übrige Programmpaket bleibt installiert. Der Hersteller braucht also beispielsweise nur folgendes mitzuteilen:
"&Bitte kopieren Sie die Datei FileXvjj3.dll in den Ordner c:\programm Files\Application"&
... oder so ähnlich. Dieser Kopierauftrag ist für Jedermann schnell erledigt, und das Programm läuft besser, weil es nun einen Fehler weniger hat.

Die Erfahrung lehrt uns aber, dass es nicht lange dauern wird, bis der nächste Fehler entdeckt wird. Als Hobby-Programmierer ist mir klar, dass ich ein Programm noch so sorgfältig schreiben und testen kann, dass es mir aber nie gelingen wird, ein großes Programm auf allen Systemen fehlerfrei lauffähig zu machen. Dafür sind die Betriebssysteme und die heutige Hardware einfach zu unterschiedlich.

Ein Arbeitskollege prägte für dieses Problem den hübschen Ausdruck:
"Heutzutage gibt es nur noch `Bananen-Software`."
Auf meine erstaunte Frage, was denn bitte Bananen-Software sei, antwortete er:
"Ja, diese Software reift beim Kunden - genau wie Bananen!"


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