Fachbegriffe leicht gemacht: SUPA

Ein neuer Begriff wurde auf der Cebit 2011 mit Inhalt gefüllt.

Ein Hotspot im Tisch

Mit `Hotspot` meint man hier einen heißen Punkt, also einen Kontaktpunkt. Das gilt für die Geräte der Firmen Powermat und Palm, da sie nur das Endgerät selbst drahtlos aufladen und man trotzdem noch ein entsprechendes Ladegerät auf den Tisch stellen und an die Steckdose anschließen muss. Letztlich gewinnt man also nur ein wenig Komfort, da man keinen Stecker ins Handy stöpseln muss. Das soll jetzt eine Fraunhofer-Entwicklung ändern und das Ladegerät überflüssig machen.

Doch der Reihe nach! Es geht darum, Strom sozusagen drahtlos zu übertragen. Der Trick: Die SUPA (Smart Universal Power Antenna) genannte Technik kann direkt in verschiedene Oberflächen eingebaut werden. Ein Beispiel dafür ist auf der Cebit zu sehen, ein Konferenztisch, in dem die Ladetechnik in Form einer Antennenstruktur von außen unsichtbar integriert ist. Damit wird der gesamte Tisch zum Sender, zu einem Hotspot für Energie. Entsprechend ausgerüstete Endgeräte kann man also einfach auf den Tisch legen und schon werden sie mit Strom versorgt.

Was soll das nun?

Weniger Kabel bedeutet weniger Stromverbrauch, und nicht nur das! Über die zu Grunde liegende Wireless-USB-Technologie (CWUSB) können außer Strom auch Daten übertragen werden. Ein mit SUPA ausgestattetes Notebook würde vom Tisch also nicht nur mit Energie versorgt, es könnte auch über dieselbe drahtlose Verbindung ins Internet - und zwar besonders sicher! Die Reichweite dieser Technik ist nämlich auf etwa fünf Zentimeter beschränkt. Wer den Datenfunk mithören möchte, müsste dem Abgehörten ausgesprochen eng auf die Pelle rücken.

Positiver Nebeneffekt

Die Strahlenbelastung für die Nutzer ist gering. Außerdem, so erklären die SUPA-Entwickler, sei das System nicht nur praktisch, sondern könnte auch helfen, bares Geld zu sparen. Sie rechnen vor, dass eine Arbeitsgruppe von vier Personen derzeit vier Steckdosen und acht Datenkabel braucht, um arbeiten zu können. Mit SUPA ließe sich dieser Aufwand auf ein Kabel reduzieren, nämlich jenes, das den Tisch mit der Steckdose verbindet. Und Strom, so das Argument, soll sich dabei auch einsparen lassen, weil das eine Netzteil des Tisches weniger Verlustleistung ungenutzt als Wärme abgibt als die vier, die sonst notwendig wären.

Bald auch in Bahn und Flugzeug?

Dass und wie es funktioniert, zeigt Fujitsu auf der Cebit im so genannten `Planet Reseller`. Das ist schade, denn Zugang zu diesem Bereich haben nur Händler und die Presse, nicht aber normale Messebesucher. Einen Monitor konnte man dort zeigen, der via SUPA mit Strom und Bilddaten versorgt wird, den man also im laufenden Betrieb von einem Eck des Tisches zum anderen heben kann. Noch ist der 22-Zöller nur eine Studie, aber schon 2012 will Fujitsu entsprechende Monitore in den Handel bringen.
"Wir sind der festen Überzeugung, dass Kabel bei Monitoren dank dieser Entwicklung bald passé sein werden." sagt Fujitsu-Manager Rajat Kakar.
Gebaut hat das futuristische Display allerdings nicht Fujitsu allein. Der große Konzern hat sich von dem mittelständischen PC-Hersteller Christmann helfen lassen, der die Fraunhofer-Technik in Fujitsus Monitore integriert und das Ganze zum Laufen gebracht hat. Und Geschäftsführer Wolfgang Christmann kann sich auch schon ganz andere Szenarien für den Einsatz der SUPA-Technik vorstellen.

Außer Konferenz- und Schreibtischen ließen sich beispielsweise auch die Klapptische in ICEs und Flugzeugen oder Arbeitstische in Hotelzimmern mit der Drahtlos-Technik bestücken, was Geschäftsreisenden die Plage abnehmen würde, stets schwere Netzteile mit sich herumzuschleppen. Vorerst aber ist das noch Science Fiction, denn bevor Bahn oder Lufthansa auf die Idee kommen, eine solche Technik zu verwenden, müsste die erst einmal ausreichend weit verbreitet sein, so wie W-Lan beispielsweise - und das hat rund zehn Jahre gebraucht, um wirklich den Massenmarkt zu erreichen.

Braucht man diese Technik wirklich?

Für uns Sehbehinderte oder Blinde entsteht wieder ein Hindernis. Wir müssen das Handy oder Notebook zentimetergenau positionieren, damit es funktioniert. Dies dürfte angesichts von eingesetzten Braillezeilen oder Spezialgeräten recht schwierig werden. Gleichwohl wird langfristig diese SUPA-Technik überall Einzug halten, weil es schon seit Jahrzehnten ein Traum der Menschheit ist, Strom, also echte verwertbare Leistung, drahtlos zu übertragen. Wir dürfen also gespannt sein, was sich aus dieser Technik entwickelt.


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