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Paperphones

Paperphones: So dünn sind die Handys von übermorgen

Dünn wie Papier: So soll das Zukunftshandy aussehen. Der Bildschirm ist größer als beim iPhone, doch das Gerät ist dünn wie ein paar Blatt Papier. Forscher einer kanadischen Universität haben den Prototyp eines solchen Zukunftshandys gebaut. Sie sind sich sicher, dass derartige Mobiltelefone in wenigen Jahren auf den Markt kommen.

Das flachste Smartphone der Welt

Noch schmückt Apple sein iPhone 4 mit dem Hinweis, es sei "das flachste Smartphone der Welt". Doch diesen Vorsprung könnte der kalifornische Konzern bald verlieren, glaubt Roel Vertegaal, Direktor des Human Media Lab an der kanadischen Queen's University. Er verweist dabei auf das Paperphone, den Prototyp eines Smartphones, wie es sich Handy-Fans schon lange erträumen. Denn das dünnste, flachste oder kleinste Handy zu haben, war schon immer etwas Besonderes - und für die Marketingabteilungen der jeweiligen Hersteller eine Steilvorlage. Mit seiner Neuentwicklung glaubt Vertegaal nun genau das gefunden zu haben.

Das erste flexible Handy der Welt

"Das ist die Zukunft. In fünf Jahren wird alles so aussehen und sich so anfühlen!" sagt er in einem Interview mit Blick auf sein hauchdünnes Wunderwerk. In seiner Hand hält er das Paperphone, ziemlich sicher das erste flexible Smartphone der Welt - und ein Einzelstück. Die Produktionskosten dieses Einzelstücks lagen bei 5000 Euro. Dabei ist an dem Gerät zunächst einmal nichts Ungewöhnliches, solange man nur das Datenblatt betrachtet. Wie jedes Smartphone taugt es als MP3-Player, kann als E-Book-Reader verwendet werden, Adressen verwalten oder einfach zum telefonieren benutzt werden. Erst wenn man es anschaut oder in die Hand nimmt, wird klar, dass es eben doch etwas ganz anderes ist als all die Android-Handys, die Nokias, die Blackberrys und auch als die iPhones dieser Welt. Denn trotz seines 3,7-Zoll-Bildschirms (9,5 Zentimeter) ist es nur ein paar Millimeter dick und kann mit den Fingern - in Maßen - verbogen werden. "Dieser Computer sieht aus und fühlt sich an wie ein kleines Blatt interaktives Papier!" sagt Vertegaal. "Man interagiert damit, indem man es zum Telefonieren verbiegt, an den Ecken zieht, um umzublättern oder darauf mit einem Stift schreibt."

E-Ink-Display

Möglich wird die neue, superflache flexible Bauweise, weil Vertegaal und seine Mitarbeiter ein E-Ink-Display verwenden. Hier steht E für Elektronik und Ink für Tinte. Das ist ein Bildschirm, der Zeichen mit Hilfe so genannter elektronischer Tinte darstellt. Elektronische Lesegeräte, die E-Book-Reader, basieren auf genau dieser Technik. Ihr Vorteil: Buchstaben und Ziffern werden gestochen scharf dargestellt, das Bild sieht aus wie auf Papier gedruckt und flimmert nicht. Der Stromverbrauch ist sehr gering. Der Nachteil von E-Ink: Bisher funktioniert diese Technik nur in Schwarz-Weiß. An einer Farbversion wird zwar seit Jahren getüftelt, markttauglich ist sie aber noch nicht. Das sollte sie aber sein, wenn aus dem kanadischen Prototyp eines Tages ein Massenprodukt werden soll. Denn ob sich Smartphone-Anwender noch einmal daran gewöhnen könnten, mit Schwarz-Weiß-Displays umzugehen, wie man es in den Neunzigern tat, ist fraglich.

Papierloses Büro?

Mindestens ebenso fraglich ist, ob Vertegaal tatsächlich eines Tages die Vision vom papierlosen Büro realisieren kann, wie es der Forscher selbst in einer Mitteilung der Universität schreibt. Größere Versionen seiner Technik könnten dazu führen, dass man in Büros künftig kein Papier mehr braucht. "Das papierlose Büro ist da!" sagt Vertegaal. "Alles kann digital gespeichert werden, und man kann diese Computer übereinander stapeln wie Papier oder sie einfach über den Tisch verteilen." Dieselbe Vision einer papierlosen Zukunft wurde allerdings auch schon in den achtziger und neunziger Jahren verbreitet, als Computer in Büros für immer mehr Aufgaben eingesetzt wurden. Nur träumte man damals nicht davon, das den Schreibtisch verstopfende Papier durch Berge superflacher Computer zu ersetzen.


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