Fachbegriffe leicht gemacht:

Steampunk

Diess ist ein Phänomen, das als literarische Strömung in den 1980er Jahren begann und sich zu einem Kunst-Genre ausgeweitet hat. Wir finden drei Strömungen:
* eine kulturelle Bewegung,
* einen Stil und
* eine Subkultur.
Bei allen diesen Strömungen werden einerseits moderne und futuristische technische Funktionen mit Mitteln und Materialien des viktorianischen Zeitalters verknüpft, wodurch ein deutlicher Retro-Look der Technik entsteht, und andererseits wird das viktorianische Zeitalter bezüglich der Mode und Kultur idealisiert wiedergegeben.

`Steampunk` fällt damit in den Bereich des so genannten `Retro-Futurismus`, also einer Sicht auf die Zukunft, wie sie in früheren Zeiten entstanden sein könnte.

Häufige Elemente

Häufige Elemente des `Steampunk` sind:
* dampf- und zahnradgetriebene Mechanik,
* ein viktorianischer Kleidungsstil,
* ein viktorianisches Werte-Modell,
* eine gewisse Do-it-yourself-Mentalität und
* eine Abenteuerromantik.
Kurzum: Wir haben wieder einen unklaren modernen Ausdruck, der mehr oder weniger präzise für ein bestimmtes Design steht - zumindest bei technischen Geräten.

Die Elemente des `Steampunk` finden sich in vielen Bereichen der populären Kultur wieder, von Film und Fernsehen über Gesellschaftsspiele bis hin zu Musikprojekten. Es gibt jedoch auch zahlreiche Varianten des Steampunk, die verschiedenste andere Elemente einbringen oder Elemente weglassen oder variieren.

Begriffsgeschichte

Wo nun kommt dieser Begriff her? Die Etymologie des Begriffes `Steampunk` ergibt sich jeweils leicht unterschiedlich, je nachdem, aus welchem Blickwinkel das Phänomen betrachtet wird. ästhetisches Bindeglied der unterschiedlichen kulturellen Ausprägungen ist die Dampfmaschine (englisch: `steam engine`), auf die sich der erste Wortteil bezieht.

In Bezug auf das literarische Genre beschreibt `punk` am ehesten eine Anspielung auf den so genannten `Cyberpunk`, von dem der Begriff abgeleitet ist. In Bezug auf die `Steampunk`-Bewegung und das Kunst-Genre steht der Wortteil `punk` eher für die bekannte Philosophie und Lebenshaltung.

Selbstverständnis

Steampunks verstehen sich als eine Gegenbewegung zur Moderne sie feiern die ästhetik der Kolben, Bolzen und Zahnräder, und sie verachten die nichts sagenden, seelenlosen, rein funktionalen Oberflächen der Touchscreen-Computer.

Historische Wurzeln

Die Wurzeln des `Steampunk` finden sich in den Romanen und Geschichten von Jules Verne und H. G. Wells. Diese frühen Science Fiction-Autoren beschrieben die Zukunft der Technik aus der Sicht ihrer Zeit heraus, dem frühen industriellen Zeitalter, in dem der Vorreiter der Technik die Dampfmaschine war, in der Uhrwerke zur höchsten Präzision gebracht wurden und die Nutzung der Elektrizität gerade einmal in den Kinderschuhen steckte und insbesondere von dem Stereotyp des verrückten Wissenschaftlers verwendet wurde. Entsprechende Zukunftsvorstellungen fanden sich in dieser Zeit recht häufig, beispielsweise bildnerisch auf Sammelkarten des deutschen Schokoladenherstellers Hildebrand und Stollwerk.

Während die ästhetik und die Konzepte dieser frühen Inspirationen immer wieder Verwendung fanden, wurde der Begriff `Steampunk` - wenn man die Nachweislage betrachtet - erst 1987 geprägt.

Merkmale des `Steampunk`

Obwohl das Phänomen `Steampunk` sehr breit gefächert ist, kann man es nur schlecht untergliedern, da die einzelnen Aspekte nahtlos ineinander über gehen. Dies ist eine sehr wissenschaftliche Beschreibung für das Phänomen, dass `Steampunk`-Geschichten (stark vereinfacht) eine Verbindung aus Science Fiction und Abenteuer-Roman darstellen, in denen die technische Entwicklung alternative Wege eingeschlagen hat. Meistens beinhalten sie fantastisch anmutende Technik. Das Genre kann man auch als Teil der so genannten `Alternativwelt-Geschichten` sehen. ähnlich wie das Genre des `Steampunk` ist auch dieses Genre sehr breit gefächert und besitzt ebenfalls viele Aspekte, die nahtlos ineinander übergehen. Während klassische Alternativwelt-Geschichten nur die sozialen und politischen Umstände anders verlaufen und die Technik ihren `gewohnten` Gang gehen lassen, ist es beim `Steampunk`aber stets die Technik, die einen anderen Weg geht. Da aber auch Technik soziale und politische Veränderungen hervorrufen kann, wird dies ebenfalls in einigen `Steampunk`-Romanen thematisiert.

Die technischen Möglichkeiten und Designs einer ära bilden sozusagen das Grundgerüst und werden um hochtechnologische Entwicklungen im groben Rahmen dieser Möglichkeiten erweitert. Dabei greifen die Autoren häufig auf Motive von Jules Verne und H. G. Wells zurück und kombinieren sie mit Elementen des Abenteuerromans des frühen 20. Jahrhunderts.

Und was hat das nun alles mit PC-Technik zu tun?

Die im `Steampunk` beschriebene, phantastisch anmutende Technik lässt sich als Verbindung von Hightech und Nostalgie beschreiben. Es gibt tatsächlich Desktop-Computer im `Steampunk`-Design. Besagtes Lebensgefühl ist es wohl, das viele Leute dazu bringt, ihre `Steampunk`-Fantasien in der Wirklichkeit umzusetzen. Entsprechend verfügen die Enthusiasten, anders als die `Splatter`-, `Bio`-, `Nano`- oder `Cyber`-Punks, die vor allem Theorien und Konzepte auftürmen, über eine gestalterisch aktive Szene, die vor allem dadurch bekannt geworden ist, dass sie ihre Projekte im Internet minutiös dokumentiert. Es gibt hier einen regen Austausch über Materialien, Verarbeitungstechniken und Ergebnisse.

Ergebnisse

Die Ergebnisse muten tatsächlich phantastisch an, wie die literarische Vorlage es beschreibt. Kleidung, Comics, Spiele, Skulpturen, Design, Fotografie, Fahrzeuge, Gebrauchsgegenstände, Bühnen- und Kostümdesign, Musik und vieles mehr werden zum Thema `Steampunk` hergestellt oder verarbeitet.

`Steampunk`-Künstler hüllen neuzeitliche Technik in einen Hauch Nostalgie, so dass sie wirkt, als habe sie ein Uhrmacher aus dem 17. Jahrhundert hergestellt. Sie erschaffen Zeugnisse einer Zeit, in der die Vergangenheit eine andere Zukunft hervorgebracht hat als die normale, langweilige, altbekannte Vergangenheit, die durch die Nutzung des elektrischen Stromes nie Gelegenheit erhielt, eine zu werden. Es scheint fast wie eine paradoxe Zauberwelt: industriell und doch verklärt, nostalgisch und doch Science Fiction.

Die `Steampunk`-Kunst legt wert auf Sichtbarkeit. Während moderne Unterhaltungsrechner eine kühle, glatte Oberfläche aufweisen, die nichts von den Prozessen in seinem Inneren verrät, werden beim Steampunk Kolben, Bolzen und Zahnräder hervorgehoben, eben jene beweglichen und arbeitenden Teile, die im modernen Design gerne versteckt werden.

Wer sich also einen neuen PC im `Steampunk`-Look kauft, bekommt vielleicht ein Holzgehäuse mit Glasscheiben, durch die man die rotierenden Propeller der Lüftung bewundern kann; vielleicht baut auch irgend ein Fan eine gläserne Festplatte, bei der man die drehende Festplatte und die Lese- und Schreibköpfe bewundern kann. Hier muss man dann aber sicherlich eine Lupe mit einbauen. Möglich ist das alles -und eine hübsche Alternative zur tristen Technik, wie wir sie heute überall finden.


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