Fachbegriffe leicht gemacht:

Drohnen

Horror-Visionen?

30.000 Drohnen werden im Jahr 2020 über den USA schweben, schätzt die Luftfahrtbehörde des Landes. Die meisten werden Kameras an Bord haben. Bürgerrechtler sind entsetzt.

Auch in Deutschland wächst die Angst vor flächendeckender Überwachung von oben. Wer hier an Google denkt, liegt in der Richtung völlig richtig.

Doch der Reihe nach: Was sind das für merkwürdige elektronische Wunderkisten? Ohne die heutigen PCs und deren Technik gäbe es so etwas in der Tat nicht. Nur das tiefe Surren seiner Flügel verrät, dass der kleine Vogel kein echter Kolibri sein kann. Ansonsten bewegt er sich genau so wie sein Vorbild aus der Natur: mal vorwärts, mal rückwärts, mal seitwärts. Er wiegt sogar so viel wie ein echter Kolibri, hat eine Flügelspannweite von 16 Zentimetern, doch er ist eine Drohne, ein unbemannter Flug-Roboter namens `Nano Humming Bird`, hergestellt von der US-Firma AeroVironment und ausgestattet mit einem Spionage-System samt Video-Kamera. Ein Bildschirm auf der Fernsteuerung zeigt dem Piloten, was die Drohne sieht.

Flugdrohnen kennt man bisher vor allem aus dem Anti-Terror-Kampf. Mit ihnen wird wohl weltweit Jagd auf Terroristen und Gewalttäter gemacht. Hauptsächlich setzt man diese schrecklichen fliegenden Kameras wohl für die zivile Nutzung ein. Sie sollen der Beobachtung von Verdächtigen, Gebäuden, Ackerland oder Extrem-Wetterlagen dienen. Letzteres ist ja sogar sehr schön und für uns von Vorteil.

Werfen wir einen Blick in die Vereinigten Staaten von Amerika, weil wir dieses Land ja gerne als Richtung weisend ansehen. Die USA werden bald von elektronischen Drohnen übersät sein. Dies ermöglicht ein Gesetz, das Obama bereits im Frühjahr unterschrieben hat. Demnach soll der amerikanische Himmel bis spätestens 2015 für Zehntausende Drohnen geöffnet werden. Dann sollen erstmals auch Privatleute und Firmen Drohnen über US-Territorium einsetzen dürfen. Bislang konnten das nur offizielle Stellen wie Polizei oder Militär. So unterhält etwa das Verteidigungsministerium 64 Drohnenstützpunkte im Inland, wie die Datenschutz-Organisation "Public Intelligence" herausgefunden hat. Und das Heimatschutz-Ministerium lässt bereits die amerikanisch-mexikanische Grenze mit neun unbewaffneten Drohnen überwachen. Noch fliegen nur gut 300 Drohnen mit offizieller Genehmigung über den USA. Bis 2020 jedoch rechnet die Luftfahrt-Behörde FAA wegen des neuen Gesetzes mit 30.000 Flug-Robotern. Kleine Spione wie der Nano-Kolibri könnten dann in den USA Alltag werden.

Wer nun an exorbitant hohe Anschaffungskosten denkt, liegt weit daneben. In ihrer günstigsten Variante sind Drohnen für jedermann erschwinglich. Kostenpunkt: 300 Dollar. So ist die Drohne als günstige Plattform für alle möglichen Anwendungen denkbar: Für schräge Kamerafahrten bei Hollywood-Filmen, für Reporter, aber auch für Privatpersonen, die ihre Nachbarn bespitzeln möchten. Gerade Selbstbau-Drohnen sind mittlerweile durchaus auch ein Hobby mit wachsender Fan-Gemeinde. Wer glaubt, dass dies nur im Land der unbegrenzten Möglichkeiten bereits Realität ist, der irrt. Die Drohnen im Polizeieinsatz sind schon Alltag.

Wo liegen die Grenzen?

Das fragen sich die Kritiker. In den USA braucht bisher jeder Roboter, der höher als etwa 130 Meter fliegen kann, ein Zertifikat der Luftfahrt-Behörde. Durch die neue Gesetzeslage bekommt jeder, der es möchte, ein solches Zertifikat - eine nicht unbedingt tolle Vision! Man denke nur daran, dass man schön im Garten in seinem Privatbereich ist, und man wird von oben beobachtet. Das ist wirklich keine schöne Vorstellung! In Deutschland ist ein neues Gesetz zudiesem Thema seit Juni 2012 in Kraft. Eine Drohne, die weniger als fünf Kilogramm wiegt, darf bis zu 100 Meter hoch aufsteigen - allerdings nur mit befristeter Erlaubnis und zumindest theoretisch mit strengen Auflagen: Katastrophengebiete, Unglücksorte, Menschenansammlungen, Gefängnisse, Industrieanlagen, Kraftwerke und Militärbasen dürfen beispielsweise nicht überflogen werden. Und: Unbeaufsichtigt darf eine Drohne nicht fliegen, der Pilot muss sie immer sehen können. Es ist jedoch äußerst schwierig, all das zu kontrollieren.

Auch der Staat hat hierzulande die Vorteile der Fluggeräte schon für sich erkannt. Polizeibehörden in diversen Bundesländern setzen Drohnen längst ein, sehr zum Unmut von Datenschützern und Bürgerrechtlern.

Nun soll aber ein klarer Vorteil dieser schlimmen elektronischen Helfer nicht unerwähnt bleiben. Naturkatastrophen aus sicherer Entfernung dokumentieren, und wenn wir einmal mit einer Drohne in einen Krater sehen können, hilft uns diese Erkenntnis sicherlich auch dabei, den nächsten Vulkan-Ausbruch vorherzusagen. Die Roboter könnten etwa bei gefährlichen Such- und Rettungsaktionen assistieren oder die Folgen einer Naturkatastrophe aus sicherer Entfernung dokumentieren.

Bisheriger ziviler Einsatz in den USA

Der größte zivile Nutzer von Drohnen in den USA sind bisher Universitäten. Laut EFF sind die Flieger an 17 amerikanischen Unis im Einsatz - bislang jedoch ausschließlich im Dienst der Wissenschaft.

"Wir haben kleine, selbstgebaute Flugkörper, um in und um Gewitter und Tornados zu fliegen", erklärt Bronsen Hillard von der University of Colorado in Boulder. "Wir verwenden aber keine Drohnen oder Ähnliches, um auf dem Campus für Sicherheit zu sorgen."

Unkontrollierte Datenflut

Was aber geschieht mit all den Daten, die die Drohnen auf solchen Ausflügen sammeln? Die Luftfahrtbehörde hat sich bei den Genehmigungen ausschließlich um Fragen der Flugsicherheit gesorgt, nicht aber um den Schutz der Privatsphäre von uns Menschen.

In den Vereinigten Staaten wird es möglicherweise bald vielleicht richtig schlimm, denn man darf zukünftig - wenn auch natürlich nur mit staatlicher Genehmigung - die Drohnen mit Geschossen ausstatten!

Erschreckend ist und bleibt jedoch vor allem die Technik: Man kann fliegende Dinger bauen, die leichter als 2 Kilogramm sind, sie mit Kameras ausstatten, mit ihnen über 100 Meter hoch fliegen und sie in alle Richtungen fliegen lassen! Vom Boden aus können wir diese winzigen Wunderwerke heutiger Technik nicht mehr sehen. Wie war das noch? Die Spannweite beträgt 16 Zentimeter, und man bekommt sie für einen Mini-Preis. Da können wir nur!


Navigation:
Zurück zur Übersicht der Fachbegriffe