Bereich mit Linux-Distributionen speziell für Screen Reader-Nutzer!

Linux-Live-Distributionen werden im Internet immer zahlreicher zum Download angeboten. Häufig werden sie auch in Verbindung mit System-Tools als Rettungs-Systeme für abgestrürzte Computer angeboten. Das Besondere an solchen Live-Systemen ist, dass man ein vorkonfiguriertes Image des Systems einfach auf einen CD- oder DVD-Rohling brennen oder auf einen bootfähigen USB-Datenträger kopieren kann und sofort ein fertiges Betriebssystem zur Verfügung hat.

Hier finden Sie zwei Linux-Live-Distributionen, die speziell für sehgeschädigte Screen Reader-Nutzer angepasst wurden. Es handelt sich dabei um spezielle Versionen der bekannten Linux-Distributionen `Knoppix` und `Ubuntu`.

Ausnahmsweise werden hier wegen der Größe der Images - jeweils ca. 700 MB - externe Download-Links angeboten.

  1. ADRIANE-Knoppix 7.2.0g


    ist eine sprechende Linux-Distribution speziell für Sehbehinderte und Blinde Nutzer. `ADRIANE` ist die Abkürzung für `Audio Desktop Reference Implementation and Networking Environment`, auf deutsch etwa `Akustische Zugangsmöglichkeit für den Desktop und die Netzwerk-Umgebung`. Es ist ein einfach zu benutzendes sprechendes Desktop-System mit optionaler Braille-Unterstützung, das auch völlig ohne visuelle Ausgabegeräte auskommt. Es erleichtert insbesondere den Zugang zu den Standard-Internet-Diensten E-Mail-Austausch und Surfen im World Wide Web, das Einscannen und Vorlesen lassen von gedruckten Dokumenten und die Benutzung von Mobilfunk-Diensten wie SMS über ein eigenes Handy ohne spezielle Zusatz-Software.
    Vor allem blinde Einsteiger, die sich bislang wenig oder gar nicht mit dem Computer auseinander gesetzt haben und vielleicht auch schon vorher schlechte Erfahrungen mit graphischen Benutzeroberflächen mit Audio-Aufsatz gemacht haben, haben mit ADRIANE einen leichten Einstieg und profitieren von der unkomplizierten textuellen Schritt-für-Schritt-Menüführung.
    Dies sind die PROGRAMMFUNKTIONEN VON ADRIANE:
    - Internet:
    * Sie können im Internet mit einem speziellen Web-Browser `elinks` Surfen, der die wesentlichen Informationen der Seite in leicht lesbarer Form präsentiert, aber auch wahlweise Javascript, Bild- und Multimedia-Inhalte darstellen kann.
    * Mit den Pfeiltasten sind die Links auf Webseiten besonders schnell erreichbar, und der Text dazwischen ist durch die Vorlesefunktionen zugänglich.
    * Auch Webformulare für Internet-Suche, Einkaufen im Internet und Online-Banking werden unterstützt.
    - E-Mails:
    * Sie können Mails bei vorhandener Mail-Adresse lesen, schreiben und beantworten.
    - Texte:
    * Sie können gedruckte Texte wie Briefe, Zeitungsartikel und Bücher einscannen, vorlesen lassen oder speichern.
    - Multimedia:
    * Sie können Audio- und Video-Dateien, CDs oder DVDs Abspielen und Fernsehprogramme per DVB-T empfangen.
    * Sie können eigene Kurznotizen oder Texte anlegen.
    * Ein kompaktes Notizbuch für Adressen und Telefonnummern mit Anbindung an die SMS-Funktion ist im System enthalten.
    - Handy und SMS:
    * Sie können den Short-Messaging-Service (Lesen, Schreiben und Beantworten von SMS) und das mobile Internet mit dem eigenen Handy nutzen.
    * Die Anbindung an den Computer erfolgt per Bluetooth oder Kabel.
    * Die meisten, auch die billigsten, aber leider nicht sämtliche Handys, unterstützen die notwendige `Modem`-Funktionalität.
    - Datei-Manager:
    * Für die Verwaltung selbstgeschriebener Texte, Adressen und Notizen, Multimedia-Inhalte und anderer Dateien ist in die Menüs ein einfacher Datei-Manager integriert, der auch die Einbindung von Flash-Disks und anderen Wechselmedien erlaubt.
    - Grafik-Modus:
    * Der Grafik-Modus ist der für viele Anwender gewohnte `Maus-Desktop`, der durch den graphischen Screen Reader `orca` für Blinde und durch die Zoom-Funktionen von `compiz-fusion` für Sehbehinderte zugänglich gemacht wird.
    * Hier stehen Anwendungen wie OpenOffice und der Firefox-Web-Browser zur Verfügung.
    - Einstellungen:
    * In den Einstellungen werden beispielsweise die Lautstärke der Sprachausgabe, die Standard-Seitenlage beim Scannen von Dokumenten und die Netzwerk-Einstellungen verändert.
    * Das ADRIANE-Menüsystem ist durch zusätzliche Menüpunkte nach Anwenderwunsch erweiterbar.
    HINWEISE:
    1. Es gibt eine
    ADRIANE-Mailing-Liste in deutscher Sprache
    zum Informationsaustausch der Nutzer und für Fragen und Antworten rund um ADRIANE. Der Entwickler liest in dieser Liste übrigens mit.
    2. Weitere Informationen über Adriane und Knoppix finden Sie auf der Internet-Seite des Entwicklers:
    www.knopper.net

    3. Nach dem Download des Images sollte man, beispielsweise mit dem Tool
    LinuxLiveEasyHasher,
    eine Integritätsprüfung durchführen. Der ermittelte MD5-Wert musss identisch mit demjenigen sein, den Sie hier vorfinden:
    MD5-Prüfsumme

    ADRIANE auf einem USB-Stick

    ADRIANE kann auch über das Menü auf einen bootfähigen USB-Stick kopiert werden, von dem aus es dann gestartet werden kann. Dies hat den Vorteil, dass Sie auch änderungen dauerhaft speichern können. Für den Fall, dass Ihr Computer nicht von einem USB-Medium bootet, gibt es zusätzlich ein ISO-Image einer Start-Cd:
    ADRIANE-KNOPPIX 7.2.0g Bootonly-CD
    Hier finden Sie zur Überprüfung die MD5-Checksumme:
    Bootonly-CD MD5-Checksumme
    Wenn Sie diese BootOnly-CD mit eingestecktem USB-Stick starten, sollte sie nach kurzer Zeit auf den Stick umschalten. Danach können Sie die CD wieder entfernen.

    Einbinden von Braillezeilen

    In ADRIANE können Sie auch diverse Braillezeilen Einbinden. Dazu gehen Sie wie folgt vor:
    - öffnen Sie mit Enter das Menü `Einstellungen`.
    - öffnen Sie mit Enter den Menüpunkt `Geräte`.
    - öffnen Sie nun mit Enter den Menüpunkt `Braillezeile`.
    - Gehen Sie mit der Cursor-Ab-Taste hinunter bis auf Ihr Zeilen-Modell und drücken Sie Enter.
    - Nun wird nach der Schnittstelle gefragt. Hier haben Sie mehrere Mögllichkeiten:
    * eine serielle Schnittstelle ist der Anschluss `ttyS0` oder `ttyS1`,
    * eine USB-Schnittstelle ist der Anschluss `ttyUSB0`; sie sollte aber eigentlich automatisch erkannt werden.
    * eine Bluetooth-Schnittstelle ist der Anschluss `rfcomm0`; dazu muss aber zunächst unter `Geräte` der Bluetooth-Adapter mit der richtigen Pin gekoppelt werden.
    - Die Frage nach der Auswahl der Schnittstelle, ob der Screen Reader neu gestartet werden soll, muss mit `j` beantwortet werden.
    Ein kompletter Neustart ist meistens nicht erforderlich.
    18.09.2013

  2. Vinux Version 3.0.2


    32-Bit-CD-Image
    64-Bit-CD-Image
    USB standard edition
    ist eine speziell für Sehbehinderte und Blinde angepasste Version der beliebten Ubuntu-Linux-Distribution. Sie beinhaltet einen Screen Reader und eine Full-Screen-Bildschirmvergrößerung, Unterstützung für Braillezeilen und eine Sammlung populärer Open-Source-Anwendungen. Im Unterschied zu Ubuntu bringt Vinux eine installierte Sprache für die Eingabe-Konsole mit, den schwarzen Bildschirm mit der Eingabeaufforderung, die in Windows außerhalb des grafischen Modus existiert,so dass Vinux sprechen und darüber hinaus eine braillezeile sowohl im Konsolen- als auch im grafischen Modus unterstützen kann.
    Der Screen Reader `ORCA` spricht innerhalb der grafischen Oberfläche und beinhaltet die Sprache, eine Vergrößerung und eine Braille-Ausgabe.Im Unterschied zu Ubuntu hat Vinux zusätzliche `ORCA`-Tastenkombinationen, um es für Sehgeschädigte besser bedienbar zu machen. Die Vinux-Anwendungen wurden danach ausgewählt, dass sie mit `ORCA` arbeiten oder einen speziellen Nutzen für Sehbehinderte haben. Im Unterschied zu Ubuntu ist dieses System bereits für sehbehinderte und blinde Menschen vorkonfiguriert.
    Hier sind einige der vielen Features von Vinux:
    - eingebauter Screen Reader,
    - Full-Screen-Vergrößerung,
    - Unterstützung von Braillezeilen,
    - Open-Source-Anwendungen,
    - mannigfache Möglichkeiten, das Programm zu starten (vom USB-Stick, innerhalb von Windows, parallel zu Windows oder als Ersatz für Windows), und
    - einfache Bedienung sowohl für Sehgeschädigte als auch für Sehende.
    Das Programm wurde für Sehgeschädigte von sehgeschädigten und sehenden Entwicklern programmiert, und die Entwicklung geht weiter. Diese Distribution enthält eine reihe nützlicher Konsolenprogramme, beispielsweise den Screen Reader YASR und verschiedene Wiederherstellungs-Tools.
    ..ende So bringen Sie Vinux zum Laufen:
    1. Auf der Download-Seite befindet sich eine Liste mit verfügbaren Versionen und Download-Servern.Die neuesten Versionen stehen oben, die alten unten. Es gibt von jeder Version mehrere Varianten: die Standard-Live-CD-Version, eine Live-DVD-Version mit zusätzlichen Anwendungen, eine USB-Version für einen Stick und eine Virtual-Version zum Betreiben unter Windows oder Mac. Wenn Sie die passende Version gefunden haben, werfen Sie bitte einen Blick auf den Checksummen-Code darunter, mit dem Sie später prüfen können, ob der Download fehlerfrei gewesen ist. Nehmen Sie den nächstliegenden Server und klicken auf den Link, um mit dem Herunterladen zu beginnen. Wenn starke Nachfrage herrscht oder wenn Sie eine sehr langsame Internet-Verbindung haben, kann der Download schon recht lange dauern, speziell bei der DVD-Version.
    2. Brennen Sie dann das Image auf die CD/DVD mit einem Brennprogramm, das Iso-Dateien verarbeiten kann. Dabei sollte die Brenngeschwindigkeit möglichst niedrig sein und nach dem Brennen ein Test durchgeführt werden, ob Fehler aufgetreten sind.
    3. Um von der Live-CD/-DVD zu booten, müssen Sie dise in ihr Laufwerk einlegen und den PC neu starten. Die Bootreihenfolge im Bios muss das Booten vom laufwerk als erste Option festlegen. Wenn Ihr PC kein eingebautes CD-/DVD-Laufwerk hat, können Sie ein externes USB-Laufwerk anschließen oder alternativ die USB-Version von Vinux herunterladen und sie von einem Stick booten. Wenn das System mit dem Booten fertig ist, hören Sie ESpeak sprechen, und wenn der Screen Reader geladen ist, sagt er: "Welcome to Orca!".
    4. Durch Drücken von Einf.+Seite auf bzw. Seite ab erhöhen bzw. verringern Sie die Lautstärke, und mit Einfg.+Ende beenden Sie eine mögliche Stummschaltung. Wenn `Orca` sich aufhängt oder zu sprechen aufhört, drücken Sie einfach Strg+Alt+O, um ihn neu zu starten.

    5. In ein drahtloses Netz kommen Sie entweder, indem Sie Strg+Alt+Tab und dann zweimal Tab drücken, um auf dem WLan-Icon zu landen. Mit Enter öffnen Sie die Liste der verfügbaren Netze, wählen das gewünschte aus und drücken noch einmal Enter. Sie werden nun nach dem Verschlüsselungs-Code gefragt, wenn er benötigt wird. Alternativ können Sie aber auch den Text-basierten Netzwerk-Manager `Ceni`starten. Sie können darin alle Daten manuell eingeben und sich dann an das WLan anschließen.
    6. SO passen Sie `Orca` an:
    Mit Einfg.+Cursor auf und ab ändern Sie die Sprechgeschwindigkeit, Einfg.+Seite auf und ab ändert die Lautstärke, und Einfg.+Umschalt+< und > ändert die Satzmelodie. Mit dem `Orca`-Einstellungs-Manager können Sie aber noch viel mehr ändern. Beim ersten `Orca`-Start erscheint ein kleines Fenster mit zwei Schaltern, `Preferences` und `Quit`. Man kann die Einstellungen auch durch Drücken der `Orca`-Taste (beim ersten Start die Einfg.-Taste)+Leertaste erreichen. In den Menüs bewegt man sich mit der Tab-Taste, und mit der Leertaste aktiviert man die Optionen. Zum Abstellen des Tastaturechos drücken Sie beispielsweise `orca`+Leertaste, dann Cursor rechts, bis Sie "key echo page" hören. Drücken Sie Tab, bis Sie "enable key echo" hören. Wenn angesagt wird, dass das Kontrollkästchen aktiviert (checked) ist, drücken Sie die Leertaste um es zu deaktivieren )(uncheck). Mit Tab gehen Sie zu `OK` und drücken Enter. Wollen Sie noch andere änderungen vornehmen, drücken Sie Enter auf dem Schalter `Apply` (übernehmen), wodurch zwar die änderung gespeichert, aber nicht das Fenster verlassen wird.
    7. Um Tastenkombinationen kennen zu lernen, drücken Sie Strg+Alt+K. Dann öffnet sich eine Textdatei mit einer Liste aller Tastenkombinationen von Vinux für den `Gnome Desktop`, `Compiz` (Vergrößerung), `Orca`, `Speakup` )Screen Reader), `Bash`, `Terminal` und eine Liste von `Bash`-Befehls-Aliases, die aktiviert werden können. Viele Anwendungen haben aber auch wie `ORCA` ihren eigenen Einstellungs-Manager an Bord.
    8. Um in den Konsolen-Modus zu wechseln und den Screen Reader `Speakup` zu nutzen, drücken Sie Strg+Alt+F1 aus der laufenden Desktop-Session oder dem GDM-Login-Bildschirm. Dann können Sie `Speakup` benutzen, um Eingaben zu machen und Antworten zu hören. Bei Benutzung der Live-CD können Sie `Speakup` sofort starten, bei einem installierten System müssen Sie sich mit Usernamen und Passwort einloggen. Um zur grafischen Oberfläche zurückzukehren, drücken Sie Alt+F7.
    9. Weitere Informationen im Internet
    - Mit diesem Link erreichen Sie die
    Vinux-Wiki-Seiten,
    auf denen Sie weitere Informationen erhalten.
    - Auf der
    Vinux-Download-Seite
    finden Sie auch noch andere Varianten als die oben aufgeführten Downloads.
    - In der
    Vinux-USB-Anleitung (HTML)
    habe ich den genauen Ablauf der Installation des Systems auf einem USB-Stick aus dem Englischen übersetzt.
    10.09.2012


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